[Teil 1] [Teil 2] [Teil3] [Teil4] [Teil5]  [Teil6]

 

Mittwoch, der 31.05.06

 

Seit mehr als drei Wochen treibt in Berlin ein Seriendieb sein Unwesen. Die wertvollsten Kunstgegenstände waren seine Ziele. Mit List und Tücke überlistete er immer das Wachpersonal und umging jede Sicherheitsvorkehrung. Den Schaden, den er bis jetzt verursacht hatte, belief sich auf mehrere Millionen Euro. Eine Sonderkommissionm des LKA wurde eingerichtet. Die besten Spezialisten arbeiteten an diesem Fall, doch "Fantomas Enkel", wie Tom ihn spöttisch nannte, schien der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein. Schon dreimal führte er das LKA und die gesamte Berliner Polizei an der Nase herum. Jedoch nicht nur die Polizei war hinter ihm her, auch die Presse schien ein Augenmerk auf diesen Meisterdieb geworfen zu haben, ganz besonders Verena. Bisher wurde bei seinen Einbrüchen nie jemand verletzt. Doch dies änderte sich schlagartig in einer Nacht.

Wolff und Tom hatten Bereitschaft, da das halbe Präsidium auf der Jagd war. Während Wolff sich ein Buch durchlas, das er sich für solche Fälle immer mitgebracht hatte, ruhte Tom seine Augen etwas aus, dabei die Tageszeitung über sein Gesicht gelegt. Plötzlich schrillte das Telefon und sofort war der junge Kommissar hellwach.
"Ja, Borkmann? ... So, und wo? ... Wir kommen sofort."; sagte Tom und legte auf. "Und, was haben wir?", fragte Wolff. "Einen toten Wachmann. Sieht so aus, als ob Fantomas Enkel sein erstes Todesopfer gefordert hat.", erwiderte Tom.
Beide fuhren auf die Museumsinsel, im Herzen Berlins. Im Pergamonmuseum lag zu Füßen einer Marmorstatue die Leiche des Wachmannes. Sein Körper wies auf den ersten Blick keinerlei Spuren hin. Doch Sarah war schon vor Ort und sollte die Kommissare gleich eines Besseren belehren.

 

„Guten Morgen die Herren!“ Tom sah auf seine Uhr. Sie zeigte 4.05 Uhr an und er fragte sich wie diese Frau es immer wieder schaffte um jede noch so frühe Stund so ausgeschlafen auszusehen. „Guten Morgen Sarah!“ begrüßte Wolff die Gerichtsmedizinerin. Tom gab den Beiden ein paar Sekunden um einander anzulächeln, bevor er mit der Befragung startete. „Was ist mit ihm? Man sieht gar nix!“
„Ganz Recht, Herr Borkmann. Auf den ersten Blick sieht man keinerlei Gewalteinwirkung, aber eben nur auf den ersten… Schauen Sie!“ Dr. Herzog zeigte auf eine kleine Einstichstelle am Hals des Opfers. „Jemand hat ihm eine tödliche Injektion gegeben.“
„Eine tödliche Injektion von was?“ „Tja, lieber Tom, DAS müssen wir erstmal untersuchen!“ Während Sarah und Wolff sich belustigt anlächelten, machte der junge Kommissar sich mit rollenden Augen auf in Richtung Museum. „Ich schau mich inzwischen mal um.“ Warf er ihnen kurz zu, bevor er hinter der Eingangstür verschwand.
„Na hoppla, da hat aber einer keine gute Laune!“
„Ach … er ist nur müde und will nach Hause. Ich glaub der junge Vater kommt mit dem wenigem Schlaf nicht zurecht, dem ihm seine Tochter lässt.“ Ihr harmonisches Gespräch wurde durch ein regelrechtes Blitzlichtgewitter gestört. Wolff sprang hastig auf und stellte sich vor die Leiche des Wachmanns um jegliche Aufnahme durch die Klatschpresse zu verhindern. „Verlassen Sie das Gelände! Sofort!“
„Hauptkommissar Wolff, ist das das erste Opfer unseres Meisterdiebes? Wieso konnte er bis jetzt nicht geschnappt werden? Hätte man den Mord nicht verhindern können?“ Eine Gruppe aus mehreren Kameramännern und einer Handvoll aufdringlicher Reportern nahmen das Tatfeld ins Visier und knipsten und filmten was das Zeug hielt.
Via Handzeichen gab Wolff ein paar Beamten Anweisungen die Truppe vom Grundstück zu verweisen.
„Mein Gott, die haben mir gerade noch gefehlt! … Ich schau mal zu Tom. Sarah, sobald du genaueres sagen kannst…“ „… gebe ich dir Bescheid!“
„Danke!“ Lächelnd verabschiedeten sich die Beiden vorerst.

Tom stand in einem Gang des Museums und starrte in einen der separat verschließbaren Räume hinein.
Der Raum war leer, nur in der Mitte stand eine beleuchtete Glasvitrine.
„Nicht!“ Mit einem kräftigen Ruck zog Tom seinem Chef zurück, der gerade dabei war einen Fuß hinein zuzusetzen um sich das Ganze von Nahen anzusehen.
„Das Alarmsystem ist noch an!“ Jetzt sah es auch Wolff. Etwa in Knöchelhöhe in kleinstem Abstand über den ganzen Raum verteilt zogen sich rote Linien, die bei Kontakt sofort den Alarm auslösen würden. „Ich frag mich wie dieser Typ dort hingelangt ist ohne den Alarm auszulösen?“
„Tja, vielleicht ist er Matrix-Fan und hat sich ein paar Bewegungstricks aus den Filmen abgeguckt. Oder …oder er ist Superman und ist direkt zu seinem Ziel geflogen! Was denn? Das könnte der! Frag deinen Enkel!“ Wolff schüttelte lachend den Kopf. „Sag mir lieber, was gestohlen wurde!“
„Das kann dir Herr Köstritz besser sagen!“ Tom winkte einen Museumsangestellten zu sich rüber…

 

Ein großer, jedoch eher schmächtiger Mann kam auf die beiden zu.
"Das ist Herr Köstritz. Er war der Schichtkollege unserer Leiche da draußen.", sagte Tom zu seinem Chef.
"Also Herr Köstritz, was wurde gestohlen?", fragte Wolff, nach einer kurzen Begrüßung.
"Sie sehen dort diese Glasvitrine? Da befand sich bis heute ein seltener römischer Dolch mit dem Julius Caesar ermordet worden ist.", sagte der Wachmann.
"Könnten sie bitte die Alarmanlage ausschalten, um die Jungs von der Spurensicherung reinzulassen.", bat Wolff Herrn Köstritz. Dieser tat dies natürlich ohne Umstände und schaltete die Anlage aus. Sofort konnten die Beamten der Spurensicherung an die Arbeit gehen.
Plötzlich tauchte wie aus dem Nichts eine Gruppe von Menschen neben Wolff auf.
"Sagen sie mal, was machen sie denn hier?", fauchte der erste Mann die beiden Kommissare an. "Sie stören hier einen polizeilichen Zugriff."
"Und sie sind?", fragte Wolff gelassen.
"Hauptkommissar Joe Hoffer, LKA Berlin und Leiter der Sonderkommission "Meisterdieb". Mit wem habe ich das Vergnügen?", fragte der schon Mitte 40 mit leicht gegrauter Haarpracht, stattliche Mann mit sarkastischem Unterton.
"Hauptkommissar Andreas Wolff, mein Kollege Tom Borkmann. Wir untersuchen den Fall des toten Wachmannes dort draußen.", erklärte sich der Ermittler.
"Aha, dann machen sie, dass sie so schnell, wie möglich fertig werden und räumen sie dann das Feld, bevor sie mir meine Beute verscheuchen.", befahl der LKA-Beamte.
"Ich fürchte, ihre Beute, wie sie es nennen, war schon hier."; machte Tom den Hauptkommissar darauf aufmerksam und zeigte in Richtung Vitrine. Hauptkommissar Hoffer vielen sämtlich Kinnladen runter und er bekam einen Wutanfall. "Verdammte Scheiße, er ist uns schon wieder entwischt. Los, vielleicht ist er noch in der Gegend durchsucht das ganze Gelände.", befahl er seinen Leuten. Sofort machten sich die anderen vier Beamten daran und flüchteten regelrecht vor ihrem Einsatzleiter. Tom und Wolff schauten nur grinsend hinterher.

 

 „Was ist das denn für ein aufbeblasenes …“ „Tom, brems dich! Wir wollen doch nicht, dass du eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung bekommst. … Was hab ich nur falsch gemacht? Wieso parierst du in meiner Gegenwart nicht so?“

Tom setzte ein breites Grinsen auf und holte gerade zum Kontern aus, als ein Beamter der Spurensicherung zu ihnen herantrat. "Herr Hauptkommissar, wir haben keine Fingerabdrücke gefunden."

„Keine? Das gibt’s doch nicht! Danke!  …  Das kann doch nicht sein, dass der Mensch nie einen Fehler macht. Irgendwann muss ihm doch mal ein Missgeschick unterlaufen.“

Der junge Kommissar zuckte mit den Schultern. „Na ja der da draußen ist bestimmt sein Missgeschick.“

„Das denke ich nicht. Unser Meisterdieb war vorbereitet. Oder trägst du jeden Tag eine Spritze mit etwas tödlichen bei dir?“

„Selten!“ bemerkte Tom ironisch und sah dabei auf die Uhr.

„Komm hau ab! Ich ruf dich an, wenn Sarah erste Ergebnisse hat und dann treffen wir uns im Büro!“

„Danke Wolff! Du bist … du bist ein toller Chef!“

„Verschwinde, bevor ich es mir anders überlege!“

Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Schnell machte er sich auf den Weg zu seiner Familie, um wenigstens ein paar Stunden mit ihnen zu verbringen.

Wolff sah sich indes weiter im Museum um.

 

Als Tom die Wohnung betrat, saß Verena mit Luis gerade in der Küche beim Frühstück. Im Arm hielt sie die weinende Marie. „Gut dass du kommst! Deine Tochter schreit schon die ganze Zeit.“

„Ja, und das nervt!“ bestätigte Luis. „Guten Morgen, erstmal! Ich freu mich auch euch zu sehen!“

„Ach Spatz!“ Verena gab ihm einen dicken Kuss. Auch Luis sprang sofort auf, umarmte seinen Papa und schmierte nebenbei unbemerkt seine kleine Nutellaschnute an Toms hellem Hemd sauber.

„Na klasse… Na dann komm mal her meine Maus!“ Wie von Geburt an, schien Tom eine besondere Wirkung auf seine Tochter zu haben. In seiner Gegenwart wurde sie sofort ruhig und strahlte übers ganze Gesicht. So auch dieses Mal. „Ich weiß gar nicht was ihr habt. Sie ist doch ein Engel!“ bemerkte er spitz. Verena winkte ab und wechselte behutsam das Thema.

„Hast du einen anstrengenden Dienst gehabt? Du siehst so mitgenommen aus.“

Angetan von ihrer Fürsorge berichtete er von seiner teils langweiligen, teils aufregenden Nacht.

„Und nachdem wir Stunden dumm rum gesessen haben, passierte dann doch noch Mord.“

„Im Pergamonmuseum?“

„Ja, woher weißt du das schon wieder?“ „Aus den Nachrichten…“ Tom erinnerte sich an das Aufgebot der Journalisten die er aus der Ferne vorm Museum gesehen hatte. Vor der Presse etwas geheim zu halten, war schier unmöglich.

„Wer denkt ihr war es? Der Meisterdieb?“ harkte Verena nach. Auch wenn ihr Liebster oft auf sie hereinfiel, dieses Mal durchschaute er sie. „Verena! Du willst mit ausquetschen wegen nem Bericht beim Radio! Vergiss es!“

„Ach Tom! Du weißt ich brauch mal wieder einen Aufreißer, sonst bin ich bei denen abgeschrieben! Du weißt doch wie schwer es junge Mütter heutzutage haben. Sobald du ein Kind hast, musst du es denen doppelt beweisen um nicht gekündigt zu werden.“

Doch er lies sich nicht erweichen. Tom wusste was er für einen Ärger auf dem Revier bekommen würde, wenn er vertrauliche Sachen ausplauderte. Auch nicht für Verena konnte er eine Ausnahme machen.

 

Inzwischen bei Sarah im Labor…

„Wolff, ich hab Ergebnisse … dreimal darfst du raten mit was er sein Opfer getötet hat!“

 

Fortsetzung vom 07. Juni 2006

 

Der Kommissar zuckte unwissend mit den Schultern.
"Mit einem Schlangengift.", antwortete Sarah. Wolffs Gesichtsausdruck schien lauter Fragen zu haben. "Schlangengift? Von was für einer Schlange?", fragte der Hauptkommissar. "Da muss ich noch einige Tests durchführen. Es könnte sich um eine europäische oder eine australische Art handeln, da deren Zusammensetzung sehr ähnlich ist.", erwiderte die Doktorin und klemmte sich wieder hinters Mikroskop.

Ein Meisterdieb, der eine Spritze mit präpariertem Schlangegift mit auf seine Raubzüge nimmt. So einen Fall hatte der Berliner Ermittler noch nie. Im Büro zurück gönnte Wolff sich erst einmal einen Kaffee. Gerade als er sich die Tasse eingegossen hatte, klingelte das Telefon. Es war der Museumsdirektor des Pergamonmuseums.
"Ja, Hauptkommissar Wolff.", meldete sich der Berliner Ermittler.
"Herr Wolff, mein Name ist Dr. Alexander Winkler, Direktor des Pergamonmuseums.", antwortete ihm eine Stimme vom anderen Ende der Leitung.
"Ja Herr Doktor, was kann ich für sie tun?", fragte Wolff, setzte sich und nahm einen Schluck Kaffee.
"Es ist folgendes. Der Dolch der gestohlen wurde, war eine Leihgabe des Parisers Louvre, versichert auf mehrere Millionen Euro. Sollte er bis zum 14. Juli nicht wieder auftauchen, muss das Pergamonmuseum für den entstandenen Schaden aufkommen. Das wäre der Untergang dieses Museums.", erklärte Herr Winkler dem Hauptkommissar.
"Ja, aber das sind ja nur zweieinhalb Wochen." Wolff schaute auf seinen Kalender, der 26. Juni war aufgeschlagen. "Ich weiß nicht, ob wir bis dahin den Dieb fassen können. Die Kollegen haben das ja schon in drei Wochen nicht hinbekommen.", sagte Wolff und nahm einen kräftigen Schluck vom Türkentrunk.
"Bitte Herr Hauptkommissar, es ist von größter Wichtigkeit, das der Dolch bis dato wiedergefunden wird, sonst kann dies schlimmstenfalls zu diplomatischen Differenzen führen.", meinte der Museumsdirektor.
"Gut, ich tue mein Möglichstes, Doktor Winkler, auf Wiederhören.", entgegnete Wolff und legte auf. "Mein Gott, das so ein kleiner Zeuge der Geschichte so wichtig für zwei Länder ist, hätte ich nicht für möglich gehalten.", dachte Wolff.

Inzwischen ruhte sich Tom auf seiner Couch weiter aus...
Marie lag seelenruhig auf ihm und schlief. Es schien als könnte sie nichts aber auch gar nichts aus der Ruhe bringen. Bis Luis auf die glorreiche Idee kam die Lautstärke der Stereoanlage um einiges anzuheben. Wie auf Bestellung begann das Baby lauthals zu schreien, Tom schreckte aus seinem Sekundenschlaf hoch und Verena zuckte so zusammen, dass ihr ein Teller aus der Hand klirrend zu Boden fiel. „Luis!“ brüllten sie fast synchron. Seine Mundwinkel zuckten, Verena wusste was jetzt kommen wird. „Ich hab doch gar nichts gemacht!“ verteidigte sich der kleine Mann eifrig.
Seine Eltern schauten ihn verärgert an, Marie weinte immer noch bitterlich. Luis verschränkte die Arme vor sich und guckte finster drein. „Nur weil die immer gleich heult, bekomm ich Ärger! Seit die da ist, hast du mich gar nicht mehr lieb!“ Verena war klar, dass sich das Gesagte gegen Tom richtete. Ihr Sohn hing unheimlich an ihrem Partner und hatte arge Probleme ihn mit einem Geschwisterchen zu teilen.
„Jetzt reicht es aber Luis! Du weißt genau dass das nicht stimmt!“
„Doch! Ich will dass Tom geht! Und Marie soll mitgehen!“ Tom blieb der Mund offen stehen. Obwohl er genau wusste, dass das nur eine Trotzreaktion eines 7 jährigen war, trafen ihn diese Worte wie ein Schlag.
Just in diesem Moment klingelte sein Handy. Er gab Verena Marie auf den Arm und meldete sich.
„Ja… ich bin gleich da.“ Tom steckte das Handy zurück in seine Hosentasche, schnappte sich seine Jacke und die Autoschlüssel. „Ich muss los.“ Nach einem schnellen Kuss verschwand er in Richtung Auto.

Nach 10 Minuten erreichte er seinen Arbeitsplatz. Wolff klemmte hinter einem dicken Ordner an seinem Schreibtisch, als er das Büro betrat.
„Na war’s schön zuhause?“
„Ja“ war das Einzige was er zur Antwort bekam, was ihm deutlich zeigte, dass Fragen jetzt unerwünscht waren.
„Und was gibt’s Neues?“ Wolff blätterte ein paar Seiten zurück und deutete auf Sarahs Untersuchungsergebnisse.
„Schlangengift?“ „Ganz genau Tom! Wir haben es hier mit einem außergewöhnlichen Ganoven zutun. Nicht dass er nur ein Profidieb ist. Nein, bei der Auswahl der „Tatwaffe“ möchte er sich auch von allen anderen Mördern abheben.“
Der junge Kommissar blätterte weiter in dem Ordner. Nachdenklich sah er sich jedes Detail an. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er den Mord geplant hat.“
„Du denkst er ist ihm nur in die Quere gekommen und musste deswegen sterben?“
„Bei seinen letzten Raubzügen ist nie jemand zu Schaden gekommen. Er hatte es immer einzig und allein auf die Kunstsachen abgesehen. Warum sollte es dieses Mal anders sein?“
Wolff zuckte mit den Schultern. Bisher tappte auch er völlig im Dunkeln. „Tom, da gibt’s noch etwas. Der Direktor des Pergamonmuseums hat mich gebeten, das Diebesgut innerhalb zweieinhalb Wochen sicherzustellen. Wenn wir das nicht schaffen, muss das Museum für den Diebstahl aufkommen.“
Völlig unbeeindruckt nahm Tom sich einen Schluck vom Kaffee und setzte sich Wolff gegenüber. „Ja und? Ist das unsere Aufgabe? Dafür gibt es die Sonderkommission. Wir sind hier um den Mord an dem Wächter zu klären und nicht um irgendwelchen Schnickschnack zu finden.“
Sein Chef schmunzelte. „Der Schnickschnack ist mehr wert, als du jemals besitzen wirst.“
Tom zuckte mit den Schultern. „Die werden doch wohl versichert sein gegen Diebstahl!“


Das meinte Wolff allerdings auch, doch sicher war er sich da nicht. Er telefonierte noch einmal mit Dr. Winkler und fragte nach der Versicherung des Dolches.
"Tja, das ist ja das Problem.", antwortete der Direktor. "Erst bei Ausstellungsbeginn tritt die Diebstahlversicherung in Kraft und die Ausstellung sollte heute beginnen.", sagte Dr. Winkler. Wolff bedankte sich bei ihm und legte auf. "Tja Tom, die Versicherung wäre erst heute in Kraft getreten.", sagte Wolff zu seinem Kollegen. "Das bedeutet ja, der Dieb hat schon vorher was von dem Dolch gewusst, bevor er in Berlin eintraf.", spekulierte der Kommissar. "So sehe ich das auch. Trotzdem müssen wir wohl den Dolch wiederfinden." "Das glaube ich nicht.", sagte eine Stimme. Wolff und Tom drehten sich um und sahen, dass Hauptkommissar Joe Hoffer im Büro stand. "Sie werden schön die Finger von diesem Fall lassen. Das ist mein Fall, verstanden?", blaffte er die beiden an. "Herr Kollege, sie werden doch verstehen, dass wir indirekt in diesem Fall mit ermitteln. Schließlich hat der Dieb einen Menschen getötet.", erklärte Wolff seinem Kollegen vom LKA. "Ich glaube nicht, dass der Dieb und ihr Mörder ein und dieselbe Person sind." "Und warum nicht?", fragte Tom. "Weil ich drei Mal kurz davor war ihn zu verhaften und jedes Mal ist er mir entkommen. Wenn man jemanden jagt, dann studiert man ihn gleichzeitig. Meine Menschenkenntnis sagt mir, er hat nichts damit zu tun.", erwiderte der LKA-Mann. "Und wer meinen Sie, könnte dann den Wachmann getötet haben?", fragte Tom ein weiteres Mal. "Was weiß ich, das ist ja schließlich ihr Resoir.", sagte Hoffer und verließ das Büro.
"Was für ein ..." "Tom.", hielt ihn sein Chef zurück. "Ist doch wahr, Wolff. Seine Menschenkenntnis, das ich nicht lache." "Wir sollten diesem Meisterdieb eine Falle stellen, ihm einen Gegenstand präsentieren auf den er nicht verzichten kann.", meinte Wolff. "Und wie willst du das anstellen, ohne diesen LKA-Wachhund zu wecken?", wollte Tom von seinen Chef wissen. "Wir müssen halt erstmal das studieren, was er in den letzten Wochen gestohlen hat, uns mit diesen Fall vertraut machen." "Aber wie? Das LKA hat doch sämtliche Akten über den Fall." "Das lass mal meine Sorge sein. Ich habe da einen alten Freund, der beim LKA arbeitet. Der könnte uns weiterhelfen. Doch jetzt zu unserem Fall. Hatte unsere Leiche eine Familie?", fragte der Hauptkommissar. Tom blätterte in den Akten und: "Ja, einen Freund, mit dem er zusammen wohnte.", sagte Tom mit einem abfälligem Unterton. "Gut, dann fahren wir mal zu ihm.", sagte Wolff. Toms Gesicht sah alles andere als glücklich darüber aus, doch er musste mit.

Der BMW kam in der Nähe des Potsdamer Platzes an. ...

„Ziemlich edle Wohngegend für nen einfachen Wachmann. Scheint gut verdient zu haben.“ Tom musterte das sehr teuer wirkende Wohnhaus.
„Vielleicht ist sein Lebenspartner ein wohlhabender Mann?“ bemerkte Wolff und lief zum Hauseingang. „Er wohnt ganz oben. Ich hoffe hier gibt es einen Fahrstuhl.“
„Wolff ein bisschen Bewegung tut dir auch mal gut.“ Tom griente und deutete mit dem Finger ein paar Meter vor sich. „Aber du hast noch mal Glück gehabt.“ Die Beiden stiegen in den hochmodernen Fahrstuhl und fuhren in die 10. Etage.
Auf der Etage gab es 3 Wohneinheiten, in der im hintersten Teil des Ganges wohnte das Mordopfer.
Wolff betätigte den Klingelknopf. Erst beim dritten Mal öffnete ein schmächtiger Mann, Anfang 30, die Tür.
„Herr Pommer? Ich bin Hauptkommissar Wolff, meine Kollege Tom Borkmann. Wir ermitteln in…“
„Kommen sie rein!“ unterbrach der Herr die Beiden und lief in das sonnendurchflutete Wohnzimmer. Auf seinem Wunsch hin folgten sie ihm und nahmen auf der schwarzen Ledercouch Platz.
Herr Pommer war bekleidet mit einem roten Morgenmantel, seine Haare wirkten zerzaust. Wie ein Häufchen Elend saß er auf einem mit Kunstfell bezogenen Sessel. Tom sah sich das Ganze argwöhnisch an. Er konnte sich nicht vorstellen wie ein erwachsener Mann so kindlich wirken konnte. Was er noch weniger verstand war die Tatsache, dass er mit einem Mann zusammen war. Aber dazu wollte er nix sagen. Wolff hatte ihm schon des Öfteren Intoleranz diesbezüglich vorgeworfen.
„Herr Pommer, es tut uns sehr Leid was mit ihrem Lebenspartner passiert ist. Wir möchten ihnen gerne ein paar Fragen stellen die uns in den Ermittlungen vielleicht weiterhelfen können.“
Ein Nicken gab Wolff das Zeichen loslegen zu können. „Wie lange sind sie ein Paar gewesen?“
„Morgen wären es genau 333 Tage gewesen. Wir wollten das ganz romantisch feiern.“
Tom drehte sich mit verzogener Miene zum Fenster. Er überlegte wie lange er inzwischen mit Verena zusammen war. Es waren an die 2 Jahre, so genau wusste er das nicht. Wahrscheinlich musste man schwul sein um sich so was so genau zu merken. Er lauschte wieder den Worten seines Chefs.
„Hatte Herr Kramer Feinde? Könnten sie sich vorstellen wer ihm etwas antun könnte?“
Der junge Mann schlug seine Hände auf die Brust und blickte beide mit offenem Mund an. „Um Gottes Willen, sie denken jemand hat Herbert absichtlich getötet? Ich dachte … ich dachte dieser Dieb…“
„Herr Pommer, im Moment ermitteln wir in alle Richtungen.“
Ein herzergreifendes Weinen schallte jetzt durch den Raum. Wolff rempelte Tom mit dem Knie an seins. Er deutete auf die Taschentuchpackung direkt vor dessen Nase. Tom rollte genervt mit den Augen, stand dann aber doch auf und reichte sie dem jungen Mann.
„Danke … das ist sehr lieb von ihnen.“ Schnell flüchtete er sich zurück aufs Sofa und wartete darauf dass Wolff das Gespräch weiterführte.

"Herr Pommer, was sind sie eigentlich von Beruf?", fragte Wolff.
"Innenarchitekt, ich entwerfe Büroräume und auch Wohnungen.", antwortete er und war für einen Moment von seiner Trauer abgelenkt.
"Na, dann war er bei seiner Wohnung blind.", dachte sich Tom.
"Um auf ihre Frage zurück zukommen. Es gab da jemanden, der Herbert hasste.", sagte der Innenarchitekt und schnäuzte sich.
"Und wer ist dieser Jemand?", wollte Tom wissen und ließ ihn dabei etwas seine Abneigung spüren.
"Sein Ex-Freund Robert Schiffer. Er war mit Herbert etwa um die 4 Jahre zusammen, dann hat er Schluss gemacht, weil Robert ihn mit einem anderen betrogen hat, doch Robert konnte die Trennung nicht überwinden und hat ihn förmlich belagert.", erklärte Herr Pommer.
"Wo finden wir diesen Herrn Schiffer?", fragte Wolff.
"Er arbeitet im biologisch-medizinischen Institut in der Rankestraße, so weit ich weiß.", antwortete Herr Pommer.
Wolff und Tom bedankten sich und ließen den Mann alleine. Auf dem Weg zum Auto klingelte Wolffs Handy. Sarah war dran. "Wolff, ich habe was Neues für euch. Kommt mal in mein Labor.", sagte sie und legte auf.
So schnell, sie konnten waren sie auch schon bei der Doktorin. "Also, was gibt es so dringendes, Frau Doktor?", fragte Tom.

 

Fortsetzung vom 14. Juni 2006

 

"Also, das Gift stammt von einer australischen Schlangenart und zwar von der giftigsten Sorte überhaupt: des Inlandtaipans. Diese Schlangenart ist in den felsigen Regionen des Outbacks beheimatet und sehr giftig. Eine Ladung dieses Gifte reicht aus, um 100 Menschen zu töten.", erklärte die Doktorin. Die Kommissare hörten gebannt zu.
"Wie lange lebte er noch, als ihm das Gift eingeflößt wurde?", wollte Wolff wissen.
"Nicht mehr als 2 Sekunden.", antwortete Sarah.
"So schnell.", stellte Tom verwundert fest.
"Ja, da die Spritze direkt in ein Blutgefäß gestochen wurde. Es gab keine Rettung mehr. Aber was noch viel interessanter ist, ich habe Spuren von Chloroform im Mund- und Nasenbereich gefunden."
"Moment, der Mann wurde zuerst betäubt und dann hat man ihm die Todesspritze gesetzt?", fragte der Hauptkommissar verblüfft. "Exakt, damit wäre meine Arbeit erledigt. Nun seid ihr dran.", sagte Sarah und grinste ein wenig.

Wolff und Tom verließen das Labor und gingen zu ihrem Wagen.
"Also, jemand betäubt den Wachmann und jagt ihm dann eine mit Schlangengift präparierte Spritze in den Arm. Wieso?", stellte Tom in den Raum.
"Keine Ahnung, Tom, wir werden es schon herausfinden. Aber vorerst sollten wir mal den Ex-Freund des Opfers befragen.", sagte Wolff und stieg in den BMW.

Ihr Wagen fuhr in die Rankestraße, vor einem kasernenähnlichen Gebäude hielt Wolff den Wagen an. "Biologisch - Medizinisches Institut" stand auf dem Schild. Die Kommissare gingen zum Pförtner.

„Guten Tag, wir suchen einen Herrn Schiffer. Robert Schiffer. Wo können wir den finden?“
Der Pförtner würdigte die Beiden keines Blickes, sondern las seelenruhig in seiner Tageszeitung weiter.
„Wer will das wissen?“
Genervt zuckte Tom seines Dienstausweis und hielt ihm den unter die Nase.
„Polizei? Oh, ist etwas passiert?“ der Pförtner faltete die Zeitung zusammen und blickte neugierig auf. „Wo können wir ihn finden?“ wiederholte Tom Wolffs Frage, ohne darauf einzugehen.
„Er müsste oben im Labor sein.“
„Wo oben?“
„Zweites Obergeschoss, Tür 312.“
Wolff bedankte sich kurz und verschwand mit seinem jungen Kollegen im Fahrstuhl.
„Unfreundliches Pack, diese Bullen…“ fluchte der Angestellte und widmete sich wieder seiner Lektüre.

„Bin ja mal gespannt, was das wieder für ein Sahnebonbon ist.“ Tom betrat als erster das Labor, Wolff folgte ihm schmunzelnd.
Zwei Männer im weißen Kittel lehnten über einem dicken Ordner und diskutierten gerade über einen durchgeführten Versuch, als Tom lautstark auf sich und seinen Chef aufmerksam machte.
„Herr Schiffer? Wir sind von der Kripo Berlin und möchten uns gerne mit ihnen unterhalten! Alleine!“ fügte er hinzu. Schiffers Kollege verließ murrend das Labor.
„Um was geht’s denn? Habe ich etwas verbrochen?“
„Ich weiß nicht. Sagen sie’s uns!“ Wolff unterbrach seinen Kollegen und übernahm das Gespräch. Er wollte nicht, dass er so mit dem Exfreund des Toten sprach.
„Herbert … ist ermordet wurden.“ Der Mittvierziger Mann sah entsetzt zu den Kommissaren. „Das … das kann doch gar nicht sein. Ich habe ihn doch erst vor ein paar Tagen gesehen… er kann doch unmöglich tot sein.“ Robert setzte sich auf einen der Drehhocker die im Labor herumstanden. Vom Typ her glich er seinem Nachfolger gar nicht. Seine Statur war kräftig, er trug eine modische Kurzhaarfrisur und keinerlei Schmuck. Im Gegensatz zu Pommer roch er auch nicht wie eine Mischung aus Lavendelblüten und Himbeersirup. Tom musste sich eingestehen, dass ihm nicht aufgefallen wäre, dass er schwul war.
„Sein neuer Freund, Herr Pommer hat uns erzählt, dass sie mit der Trennung nicht zurecht kamen.“
Schiffer nickte Tom bestätigend zu. „Das ist richtig. Ich liebe ihn immer noch und bereue meinen Fehltritt. Bevor sie weiterreden … ja ich habe mich oft bei ihm gemeldet. Ich wollte ihm deutlich machen wie Leid mir das alles tut. Ich hab gehofft, dass er irgendwann zu mir zurückkommt.“
Während die Beiden sprachen, sah sich Wolff im Labor um. Eine Menge Reagenzgläser mit Flüssigkeiten in unterschiedlichsten Farben standen auf einen der Arbeitstische.
„Nicht anfassen!“ Der Hauptkommissar zog erschrocken seine Hand zurück. „Was ist denn da Gefährliches drin?“
„Schlangengift. Wir erproben Gegenmittel für das Gift einer besonders gefährlichen Schlange. Leider stecken wir noch völlig am Anfang.“ Erklärte der Wissenschaftler.
Die Ermittler sahen sich überrascht an…
 

"Welcher Schlange denn?", fragte Tom neugierig.
"Einer australischen Schlange - der Inlandtaipan. Wir haben ein internationales Projekt mit der University of Sydney. Diese Schlange ist sehr rahr und unglaublich scheu, wissen sie.", erklärte der Biologe.
"Dafür aber auch die tödlichste, oder?", meinte Wolff.
"Richtig Herr Hauptkommissar, aber warum interessieren sie sich gerade für diese Schlange?", fragte Herr Schiffer.
"Weil ihr Freund mit dem Gift dieser Schlange getötet wurde.", sagte Tom.
"Was sagen sie da? Wie ist das denn passiert?", fragte der Biologe entsetzt.
"Das Gift wurde ihm in eines seiner Blutgefäße injiziert. Könnten wir mal die Schlange sehen?", forderte Wolff den Mann auf.

Der Mann ging vor den Kommissaren aus dem Labor heraus und betrat den Fahrstuhl. Die Drei fuhren in den untersten Stock des Instituts. Wolff und Tom folgten dem Biologen in einen Kellerraum, wo allerhand Therarien standen. Herr Schiffer knipste das Licht an und bat die Kommissare herein.
"Hier meine Herren liegt das Heiligtum unserer Abteilung.", sagte er und war sichtlich stolz auf seine Forschung. Die Therarien waren mit Schlangen und Spinnen aller Art gefüllt. An einigen stand "Giftig", an anderen "Harmlos", meist überwiegte das "Giftig".
Sie gingen in den hinteren Teil des Raumes und standen vor einem leeren Therarium. "Was soll das?", schrie Schiffer und starrte in den Glaskasten. "Wo ist die Schlange?", meinte er kurz.
"Herr Schiffer?"
"Die Schlange ist weg. Jemand hat sie gestohlen.", erklärte er den Kommissaren und verwies auf das aufgebrochene Schloss am Kasten. "Aber wer könnte ein Interesse haben, eine Schlange zu steheln?", fragte er mehr zu sich, als zu den Kommissaren.
"Jemand, der einen Wachmann umbringen wollte.", sagte Tom und rief die Spurensicherung.

 

Innerhalb kürzester Zeit trafen die Kollegen ein und durchsuchten den Raum auf jegliche Spuren. Doch außer den Fingerabdrücken der Angestellten waren keine weiteren zu finden.
„War ja nicht anders zu erwarten.“ Maulte Tom. „Wer sagt eigentlich dass dieser Schiffer nicht selbst die Schlange geklaut hat um das Leben seines Ex auszuknipsen?“
„Das klingt logisch, für mich schon zu einleuchtend. Und vor allem was soll Schiffer mit dem Diebstahl zutun haben?“
„Was weiß ich, vielleicht hat er das Ding geklaut um den Verdacht auf unseren Meisterdieb zu lenken?“
Wolff sah Tom schmunzelnd an. „Tom… ich glaub zwar dass er mit Schlangen gut umgehen kann, aber ein so ein Hightech- Sicherheitssystem auszutricksen? Das kann ich mir nicht vorstellen. Beim besten Willen nicht.“
Ihre Diskussion wurde gestört durch das Klingeln von Toms Handy. Bevor er ranging, schaute er auf seine Uhr, sie zeigte inzwischen fast 8 an. „Ist bestimmt Verena…“ Doch da sollte er Unrecht haben. „Luis? Ist was passiert?“
Wolff sah sofort auf, als er mitbekam dass sein Enkel dran war. Der Kleine weinte bitterlich, dass konnte er von weiten hören.
„Kommst du gar nicht mehr nach Hause? Ich hab das doch nicht so gemeint. Bitte komm wieder zu uns!“ Tom war gerührt. „Luis, na klar komm ich wieder. So schnell wirst du mich nicht los. Ich muss aber noch ein bisschen arbeiten.“
„Was denn bei euch los?“ wollte sein Fast- Schwiegervater sofort wissen.
„Luis ist im Moment sehr eifersüchtig auf Marie. Und aus seiner Wut heraus, hat er sich gewünscht dass seine Schwester und ich für immer verschwinden. Aber jetzt scheint vorerst alles wieder OK zu sein, also lass uns weitermachen!“ Mit vollem Arbeitseifer und einem breiten Lächeln auf den Lippen, schritt Tom wieder zu Schiffer um ihn noch ein paar Fragen zu stellen.
 

Der Mann stand da, kaute an seinen Fingernägeln und starrte in den Glaskasten.
"Wissen Sie, wer ein Interesse daran haben könnte diese Schlange zu stehlen?", fragte Tom.
"Nein, sie ist sehr agressiv, wenn sie sich bedroht fühlt, aber auch sehr selten. Sie ist eigentlich vom Aussterben bedroht.", sagte der Biologe zum Kommissar und kaute weiter an seinen Fingernägeln.
"Wer hat alles Zutritt zu diesem Raum?" "Jeder Mitarbeiter mit seiner Chipkarte und die Wachmänner nachts.", entgegnete Robert Schiffer. "Und zu den Therarien?", fragte Tom hinterher. "Zu den nur mit einem Schlüssel. Wir müssen unsere Schlüssel zum Feierabend alle abgegeben, damit ein Diebstahl nicht vorkommt.", erklärte Robert Schiffer. "Ich bräuchte eine Liste aller Mitarbeiter und deren Karten. Kann ja sein, dass eine fehlt.", wies Tom den Biologen an und ging zu Wolff zurück.

"Na, was erzählt unser Schlangeexperte?", fragte Wolff, als er neben einem Mann der Spurensicherung stand.
"Dass jeder mit einer Chipkarte Zutritt zu diesem Raum hat. Und die Schlüssel werden jeden Abend weggesperrt.", entgegnete der Kommissar.
"Alles sehr mysteriös.", meinte Wolff. "Wir sollten uns so schnell, wie möglich um diesen Meisterdieb kümmern, aber nicht mehr heute. Machen wir Feierabend.", sagte Wolff. Tom war sichtlich erfreut über diese Entscheidung. Er fuhr seinen Chef zurück zum Präsidium und machte sich dann selbst auf den Heimweg.

 

Fortsetzung vom 21. Juni 2006
 

Als er mit seinem BMW in seine Straße einbog, konnte er Luis schon am Fenster stehen sehen. Tom wusste, dass das Eifersuchtsproblem noch lange nicht aus der Welt war, aber er war erfreut, dass es für heute sicher keinen Ärger mehr geben würde.
Luis begrüßte ihn stürmisch an der Wohnungstür und schien sichtlich froh zu sein, dass sein Wunsch, Tom würde nie wieder kommen, nicht in Erfüllung ging.
„Na Großer, alles wieder OK?“ Ein eifriges Nicken gab ihm die erhoffte Antwort. Er ließ Luis wieder von seinen Armen gleiten und ging in die Küche, wo Verena gerade dabei war, das Abendbrot aufzutischen. Ohne eine große Begrüßung fing sie an ihn zu belehren. „Tom, das ist auch keine Lösung! Du kannst nicht jedes Mal über die Launen von Luis hinweggucken und anschließend so tun als wäre nix gewesen! Er wird nämlich immer frecher.“
„Ach, ist das jetzt meine Schuld?“ „Das hab ich überhaupt nicht gesagt! Ich meine nur, dass du auch mal durchgreifen musst!“ „Also ist es ja doch meine Schuld!“ Verena rollte genervt mit den Augen. „Jetzt dreh mir nicht die Wörter im Mund herum! Or man Tom! Wieso bist du denn gleich eingeschnappt nur weil ich dir mal nen Rat gebe?“ Die Lautstärke des Gespräches war sehr angestiegen, was zur Folge hatte, dass Marie wach wurde und lauthals zu schreien begann.
„Das hast du ja wieder toll hingekriegt!“ blaffte Verena ihn an und verschwand im Schlafzimmer um ihren Mutterpflichten nachzugehen.
Toms Lippen formten das Wort „Zicke“. Zum Glück so leise, dass es Verena nicht hören konnte.
Den restlichen Abend fiel kein Wort mehr über Erziehungsmaßnahmen, allerdings auch kein anderes. Sie schliefen Rücken an Rücken.

Schlecht gelaunt startete Tom in den nächsten Tag. Einen Vorteil hatte ein Streit mit Verena immer. Tom war pünktlich auf Arbeit. So auch dieses Mal.
„Morgen Wolff…“
„Ja guten Morgen! Lass mich raten, es herrscht mal wieder Bombenstimmung bei euch zuhause?“
Tom verzog das Gesicht zu einen ironischem Grinsen und ließ sich mit einer Tasse Kaffee an seinem Schreibtisch nieder.

"Gibt es was Neues?", fragte er, um vom Thema abzulenken.
"Ja, ich habe gestern Abend noch mit meinem Freund beim LKA gesprochen und er lässt uns Kopien der Akten so schnell, wie möglich zukommen. Aber dies muss unter uns bleiben, Tom. Wenn der leitende SoKo- Kommissar oder unser Staatsanwalt was davon mitbekommt, dürfen wir wieder Strafzettel am Hauptbahnhof verteilen.", sagte Wolff scherzhaft, um seinen Kollegen etwas aufzumuntern.
Tom hörte zwar zu, war aber auch gleichzeitig mit seinen Gedanken bei Verenas Bemerkung von gestern. Auf der einen Seite hatte sie Recht: Luis wird ein wenig zu übermütig. Aber wie sollte er es dem Kleinen klarmachen, ohne damit seine Gefühle für ihn zu verletzen.
"Tom? Hörst du mir überhaupt zu?", fragte sein Chef. Der Junge Kommissar wurde aus seinen Gedanken gerissen.
"Ja natürlich.", antwortete er schnell.
"So, und was habe ich dann gesagt?", fragte Wolff nach. Tom überlegte und musste sich gestehen, dass er nur die Zusage für die Akteneinsicht verstanden hatte.
"Äh...", war alles, was aus seinem Mund herauskam.
"Ja, ganz recht...", bevor Wolff weitermachen konnte, klingelte das Telefon. Es war das Labor. Das einzige, was sie am Tatort des Schlangendiebstahls fanden, war ein bisschen Gift dieser Schlange und weiter nichts. Wolff wies an, das Gift sofort zu Sarah zu bringen, ob das auch von der gleichen Schlange stammt.

"Tom, wir müssen unserem Meisterdieb eine Falle stellen und zwar eine, bei der er mit 100%iger Sicherheit anbeißt.", sagte Wolff zu seinem Partner.
"Aber wie willst du das machen? Erstens wissen wir nicht, wofür er sich konkret interessiert und zweitens haben wir nichts, was wir ihm anbieten können. Außerdem glaube ich nicht, dass uns unser geschätzter Staatsanwalt dafür eine Erlaubnis geben wird.", erwiderte Tom.
"Sei doch nicht immer so pessimistisch, wenn es um solche Sachen geht. Ich werde nachher mit ihm reden, vielleicht erreiche ich ja was bei ihm.", antwortete Wolff, setzte sich hinter seinen Schreibtisch und tüftelte einen Plan aus.

Um 12 Uhr klopfte es dann an der Bürotür. "Ja bitte.", sagte Wolff und schaute hoch. Zwei Polizisten brachten vier dicke Aktenordner, die scheinbar die Kopien der SoKo- Akten sein mussten.
"Na, viel haben die ja nicht gerade über diesen Dieb.", meinte Tom mit ironischem Unterton.
"Stimmt, der ist schon drei Wochen an der Arbeit. Scheinbar hängt das mit den Lagen der Spuren zusammen. Fantomas Enkel hinterlässt ja so gut, wie keine.", fügte Wolff hinzu. Beide machten sich an die Arbeit, um für die bevorstehende Aufgabe soviel, wie möglich über diesen Meisterdieb zu wissen.


„Und Tom? Was Brauchbares gefunden?“ Wolff legte seinen Ordner beiseite und wartete auf Antwort seines Kollegen. Der starrte zwar in die vor ihm liegenden Akten, schien aber geistig ganz woanders zu sein. „Tom!“ Erschrocken sah er auf. „Ja? Hast du was gefunden?“
„Das habe ich dich gerade gefragt.“
„Nicht wirklich … ich glaube diese Pappnasen der Sonderkommission „Sucht Fantomas“ sind in Wahrheit Aushilfsklempner. Das sind doch keine Ermittlungen die die machen. In all den Wochen haben die scheinbar nichts rausgekriegt, außer dass unser Dieb es auf irgendwelchen Kunstschrott abgesehen hat. Spitzenleistung!“
Wolff musste schmunzeln. Sein Schwiegersohn konnte sich herrlich über Dinge aufregen. Zum Glück drangen seine Formulierungen meist nur in das Ohr seines Chefs. Andernfalls hätte es schon öfter Ärger von Oben gegeben. Da war Wolff sich sicher.
„OK, such du weiter die Akten durch! Ich schau der Weile mal zum Staatsanwalt. Mal sehen was ich erreichen kann.“ Unter den brummigen Blick Toms verschwand er aus dem Büro.
„Super, immer muss ich diesen Scheiß machen.“

Nach einer Stunde hin und herblättern in den Ordnern, Wolff war immer noch nicht da, gönnte sich Tom erstmal einen Kaffee. Ein lautes Klopfen an der Tür erschrak ihn so sehr, dass er das heiße Getränk fast auf seine Hose schüttete. „Herein!“
Das hätte er lieber nicht sagen sollen. Ein äußerst schlecht gelaunter Mann, der ihm sehr bekannt vorkam, betrat mit schnellem Schritt das Büro. Es war der Einsatzleiter der Sonderkommission, Hauptkommissar Hoffer. Mit dabei eine seiner Untertanen. Tom stellte sich mit den Rücken vor seinen Schreibtisch. Auf keinen Fall sollte Hoffer die Unterlagen zu Gesicht bekommen.
„Borkmann! Mir ist zu Ohren gekommen dass sie und Wolff in meinem Gebiet schnüffeln.“
„Wer sagt denn so was? Das geht uns doch gar nix an. Wir ermitteln einzig und allein im Mordfall des Wachmanns. Mehr nicht. Was interessiert mich diese Fantomas- Kopie?“
Hoffers Begleitung, eine junge, äußerst attraktive Frau mit dunkelblonden Haaren und stahlblauen Augen, schielte lächelnd auf den Ordner den Toms Rücken nicht ganz verdecken konnte. Tom lief es kalt den Rücken runter. Jeden Moment würde sie ihren Chef darauf aufmerksam machen und es gäbe tierisch Ärger. Doch aus irgendeinem Grund tat sie es nicht. Stattdessen lächelte sie ihn weiter an und sagte kein Wort.
„Ich warne sie Borkmann, wenn ich sie erwische… wenn ich merke dass sie ihre Nase in meinen Fall reinhängen, dann machen sie sich auf etwas gefasst!“ Wütend öffnete er die Bürotür, die schwungvoll gegen die Wand knallte. „Schönen Tag noch!“ rief Tom ihm mit ironischem Unterton hinterher.
Die junge Beamtin zwinkerte ihm lächelnd zu und schloss die Tür hinter sich.
Erleichtert ließ er sich in seinem Drehstuhl fallen. Das war noch mal gut gegangen. Ihm war zwar völlig unklar warum sie ihn nicht verraten hat, aber das war ihm vorerst egal.


Wolff war inzwischen beim Staatsanwalt angekommen. Er musste versuchen eine Erlaubnis für die Parallelermittlung zu bekommen. Zwar war Herr Berger kein einfacher Mensch, wie er gerne gegenüber Tom zeigte, doch nach einigen Monaten wusste Wolff schon, wie sein "Chef" lief.

Wolff klopfte drei Mal. Ein nicht sehr freundliches "Herein" hallte ihm entgegen. Der Hauptkommissar trat herein und blickte auf einen arbeitenden und vor lauter Aktenlatein schon rauchenden Staatsanwalt Berger. Wolff räusperte sich ein paar Mal, bevor der Jurist ihn ansah und bemerkte.
"Ah, Herr Wolff. Gibt es was Neues im Falle des toten Wachmannes?", fragte er gleich.
"Wir wissen jetzt, dass er mit Schlangengift ermordet wurde, das wahrscheinlich von der Schlange stammt, die der Ex-Freund des Opfers gerade untersucht.", erklärte Wolff.
"Und worauf warten sie dann noch: einkassieren, verhören, in die Mangel nehmen, bis er gesteht.", wies der Jurist den Hauptkommissar an und schrieb dabei weiter sein Plädoyer für eine Verhandlung.
"So einfach ist das nicht. Die Schlange wurde entwendet. Außerdem hat der Mann kein Motiv.", erklärte Wolff, um seine Ermittlungen zu rechtfertigen. Manchmal machte ihm die Denkweise des studierten Juristen doch sehr zu schaffen.
"Herr Staatsanwalt, ich bräuchte eine Erlaubnis, um in dem Fall Meisterdieb parallel zu der SoKo zu ermitteln. Wir vermuten die Antwort auf all unsere Fragen in diesem Dieb."
Der Staatsanwalt blickte interessiert auf, überlegte dann einige Momente und öffnete dann eine Schublade. Er zog einen Antrag hervor, schrieb einige Wörter auf das Papier, strich was durch und setzte seine Unterschrift darunter.
Wolff hatte nicht damit gerechnet, dass es so einfach gehen würde.
"Wie, das war alles?", fragte er, als Berger ihm das Papier entgegenstreckte.
"Was meinen Sie, Herr Hauptkommissar?"
"Sonst gibt es immer noch eine Ermahnung oder bestimmte Anweisung, wenn wir in fremdes Revier wildern.", erwiderte der Ermittler.
"Wissen Sie, diese Pappnasen von der SoKo und vom LKA könnten höchstens den Verkehr regeln, einige. Machen sie es besser und ... enttäuschen sie mich nicht, sonst..."
"Kann ich den Verkehr regeln. Alles klar.", sagte Wolff und verließ seinen Chef.

Zurück im Büro erwartete ihn eine Überraschung. Sarah wartete dort mit neuen Ergebnissen auf Wolff.
„Sarah! Schön dich so schnell wieder zu sehen. Was hast du für uns?“
Dr. Herzog wedelte mit ein paar Untersuchungsprotokollen. „Das Schlangengift mit dem das Opfer getötet wurde und das Gift der verschwundenen Schlange ist identisch. Das heißt wir können davon ausgehen, dass es sich um die gleiche handelt.“
Wolff und Tom nickten zustimmend. Das Ergebnis hatten sie erwartet. „Ich hab da aber noch was. Im Therarium des Tieres haben für feinste Spuren von Marmorstaub gefunden.“
„Und woher soll der sein?“ „Tja Tom, irgendwas müsst aber auch ihr herausfinden. Ich kann ja nicht alles machen.“ Bemerkte Sarah spitz und schmunzelte über Toms bedepperten Gesichtsausdruck.
„Ich lass euch wieder alleine! Viel Erfolg!“ Und weg war sie.
Die Kommissare werteten gemeinsam die neuen Ergebnisse aus. „Also entweder dieser Ex hat ihn zur Strecke gebracht oder jemand will den Verdacht auf ihn lenken. Ich meine das wäre ja ein Riesengroßer Zufall wenn unser Meisterdieb ausgerechnet sein Gift von dem Verflossenen des Wachmanns besorgt?“
Da musste Wolff ihm Recht geben. In irgendeiner Verbindung musste der Biologe zum Mord stehen.
„Mal was anderes… wie hat unser Staatsanwalt auf deine Bitte reagiert?“
„Genauso wie ich es erwartet habe!“ log Wolff mit einem breiten Grinsen und zeigte stolz die schriftliche Genehmigung.

"Schau an, dachte er ist so unkooperativ. Da hab ich mich wohl geirrt.", feigste Tom.
"Sag mal, wurde nicht im Pergamonmuseum an einer Marmortreppe gebaut?", fragte Wolff.
"Stimmt, ich erinnere mich. Dann muss jemand aus dem Museum die Schlange entwendet haben. Lass uns noch mal dorthin fahren.", schlug Tom vor. Gerade wollten die beiden Kommissare ihr Büro verlassen, als Hauptkommissar Joe Hoffer und seine Assistentin zur Tür hereinkamen.

Der LKA-Mann baute sich vor den beiden auf, die Hände in den Hosentaschen, im Mund ein Zigarillo.
"Wie ich gehört habe, hat ihnen der Staatsanwalt Erlaubnis zur Parallelermittlung gegeben?", sagte er zu den Beiden und schaute besonders auf Tom herab.
"Ja, das ist war. Hier ist das Papier. Ich hoffe, wir können jetzt das Kriegsbeil gegraben und zusammen diesen Dieb fangen.", schlug Wolff vor und hielt ihm das zusammengefaltete Dokument hin. Er würdigte es keines Blickes, sondern nahm seinen Zigarillo aus dem Mund und tippte Wolff gegen die Brust.
"Sollten sie irgendwelche neuen Erkenntnisse haben, will ich, dass diese sofort an meine Leute weitergegeben werden. Sie werden mir diese Chance nicht vor der Nase wegschnappen und den ganzen Ruhm einheimsen.", meinte Hoffer, drehte sich um und verschwand.
Seine Assistentin blieb noch und versuchte ihren Chef zu entschuldigen. "Bitte verzeihen sie seinen Auftritt, aber er sieht es als persönliche Angelegenheit an, diesen Typen dingfest zu machen.", erklärte sie und verschwand dann auch.

Wolff und Tom machten sich wieder auf ins Pergamonmuseum. Auf den Weg dorthin überlegte sich Wolff, wie man diesem Phantom eine Falle stellen könnte. Dann kam ihn die rettende Idee. Aus den Akten ging hervor, dass dieser Dieb es nur auf historisch wertvolle Gegenstände abgesehen hatte. Was lag da näher, als eine perfekte Reproduktion eines Gegenstandes mit einem Peisender zu versehen und so das Versteck aufzuspüren. Nur welchen Gegenstand sollte man nehmen? Wolffs Gedankenfluss wurde durch das Anhalten seines Wagens unterbrochen. Sie waren schon am Museum angelangt.
Sofort gingen sie durch den Haupteingang und betraten die marmorversehene Halle. Es waren viele Leute da. Fast ganz Berlin wollte sich an diesem Tag die "Schätze aus der Römerzeit", die derzeitige Ausstellung, ansehen. Die Ermittler hatten Mühe durchzukommen.

 

Fortsetzung vom 28. Juni 2006
 

"Man, das letzte Mal war ich solch Menschenmengen, am Flughafen ausgesetzt.", meinte Tom so vor sich hin.
"Ich weiß, es ist sehr beengend. Hier kann man wirklich schon Platzangst kriegen.", erwiderte Wolff.
"Wie hast du dir eigentlich das mit der Falle vorgestellt?", wollte Tom von seinem Chef wissen.
"Ganz einfach, wir geben eine billige Kopie von einem historisch aussehenden Gegenstand eine wertvolle Geschichte, versehen diesen mit einem Peilsender und fangen so unseren Meisterdieb.", erklärte sein Chef.
"Und was für einen Gegenstand willst du da nehmen?", fragte Tom neugierig.
"Das ist dann deine Aufgabe, ein geeignetes Objekt auszusuchen.", erwiderte der Hauptkommissar grinsend.
"Ich? Aber ich kenne mich doch in solchen Dingen nun wirklich nicht aus.", entgegnete Tom. "Und der einzige, der sich damit auskennt und den ich kenne, weilt zur Zeit noch im warmen Frankreich.", fügte Tom hinzu, doch Wolff ließ sich davon nicht beeindrucken und ging weiter durch die Menschenmassen nach oben, über die Marmortreppe.
Plötzlich kam Tom eine Idee. Er fasste Wolff an die Schulter. "Warte mal, ich hab da so eine Idee.", sagte er, nahm sein Handy und telefonierte mit seinen Eltern. Er hatte sich nämlich daran erinnert, dass sein Großvater immer einen sehr alten und schönen Gehstock besaß, obwohl er noch bis zuletzt gut zu Fuß war. Nun fragte Tom seinen Vater, ob er ihn den zuschicken könne, da der Großvater den Gehstock seinen Enkel Tom geschenkt hat, er ihn aber nie mit nach Berlin genommen hat.
"Wirklich? Danke, Papa, du bist und bleibst immer noch der Beste.", sagte der Kommissar und legte auf.
"Was hast du jetzt schon wieder für eine Idee?", fragte sein Chef. Tom erzählte ihm von dem wertvollen Gehstock, den sie als Gehstock von Konrad Adenauer ausgeben werden und somit den Dieb bald fangen werden.
" Wirklich eine gute Idee, Tom. So und jetzt reden wir mit dem Direktor noch darüber. Dann suchen wir uns diesen Wachmann.", befahl Wolff.
Beide gingen in den dritten Stock hinauf und suchten das Büro von Direktor Dr. Alexander Winkler auf.


Sie informierten den Direktor über ihren Plan. Während Wolff sprach hörte Winkler interessiert zu und lief nachdenklich durch sein Büro. „Hmm, und sie denken, dass er genau hier in meinem Museum erneut zuschlagen wird?“
„Der Kunstgegenstand wird ihn locken. Vertrauen sie uns! Ich möchte dass so wenig Mitarbeiter wie möglich eingeweiht werden!“
Empörte Blicke trafen den Hauptkommissar. „Sie glauben doch wohl nicht, dass es einer meiner Leute war?“
„Was ich glaube ist völlig unwichtig. Bitte halten Sie sich einfach daran!“
Wolff und Winkler besprachen alles weitere für die Falle, die schon in den nächsten Tagen gestellt werden sollte. Doch vorher musste erst bekannt gemacht werden, dass dieser „kostbare“ Gehstock sich im Museum befand. Tom wusste auch schon genau wie.
Als die Beiden das Büro verließen, sah Wolff seinen jungen Kollegen ermahnend an und wollte gerade zu schimpfen beginnen, doch Tom fiel ihm ins Wort. „Du hast das toll gemacht, was sollte ich da noch sagen?“ Mit einem breiten Grinsen lief er neben ihm her. „Ich bin nur erstaunt wie ruhig du manchmal sein kannst. Du kannst doch sonst nicht deine Klappe halten.“
„Ach komm Wolff, meine locker flockige Art gefällt dir doch gerade gut.“ Bemerkte Tom trocken. „Aber zurück zum Thema, ich weiß schon wer publik machen kann, dass dieser Stock hier rumliegt.“ Die Beiden nickten sich zustimmend an. Verena mit einzuspannen war eine klasse Idee. Zumalen sie sowieso die ganze Zeit unbedingt über diesen Fall berichten wollte. Und so konnte sie sogar helfen.
Außerdem konnte Tom sich damit bei ihr einkratzen. Danach gab es bestimmt keine Diskussionen mehr über seine Fähigkeiten als Papa. Zumindest vorerst.
Doch jetzt galt es erstmal den Wachmann zu finden. Das war gar nicht so einfach ihn unter den vielen Besuchern ausfindig zu machen. Doch dann erblickten sie ihn in einem abgesperrten Bereich. „Halt! Hier ist kein öffentlicher Zutritt!“ blaffte er die Kommissare an als sie ihm folgten. „Herr Köstritz, wir sind von der Kriminalpolizei und ermitteln im Fall ihres ermordeten Kollegen. Können wir irgendwo ungestört reden?“
„Oh entschuldigen sie bitte, ich hab sie nicht gleich erkannt! Wir gehen in den Aufenthaltsraum… Eine tragische Sache mit Herbert. Er war ein feiner Kerl. Kaffee?“
„Nein danke!“ sagte Tom scharf. Irgendetwas an diesem Mann gefiel ihm nicht.
Wolff setzte den Wachmann über den Plan in Kenntnis und bat ihm um Mithilfe. Schließlich sollte alles so normal wie möglich wirken. Tom hielt das für keine gute Idee, immerhin könnte auch er in diesem Fall verwickelt sein. Doch Wolff war dieses Mal schneller mit dem Wort als sonst er. Also blieb Tom nichts anderes übrig als den Dingen seinen Lauf zu lassen.

"Interessant, und sie meinen, dass sie damit den Meisterdieb zu fassen kriegen?", fragte der Wachmann.
"wir werden sehen. Vor allem ist wichtig, dass keiner ihrer Leute etwas, ohne unsere Zustimmung unternimmt. Und vor allem stillschweigen darüber.", mahnte Wolff.

Zurück im Büro bereiteten sie die Technik darauf vor. Währenddessen kam ein Blitz-Kurier für Tom und brachte den Gehstock seines Großvaters. Tom packte ihn aus. Es war wirklich ein wunderschöner Gehstock mit kleinen Verziehrungen und einem Emblem vorne dran.
"Wirklich ein wunderbares Stück Holz.", staunte Wolff und betrachtete ihn. Tom schwelgte derweil in Erinnerung an seinen Großvater, wie er damit immer aus dem Zug gestiegen ist, wenn er die Familie besuchte und immer was für den kleinen Enkel dabei hatte.
Plötzlich kam der Leiter der SoKo ins Büro und wirkte dieses Mal etwas kooperativer. "Guten Abend, die Herren. Ich hörte von ihrem Plan, den Meisterdieb zu fangen?", sagte er kleinlaut. Wolff zeigte auf den Gehstock und meinte: "Bitte schön, der Specke mit dem wir die Maus fangen werden." Hoffer war beeindruckt. Anscheinend hatte der Staatsanwalt ihm einen Rüffel verpasst.
"Wissen Sie, ich hege einen Verdacht, seit dieser Meisterdieb das erste Mal aktiv ist, habe ich eine Assistentin. Und jedes Mal, wenn wir auf der Lauer lagen, war sie immer verschwunden. Ich dachte, das sollten sie wissen.", sagte er und ging wieder. Wolff und Tom sahen sich an. Eine Polizistin soll so etwas fertig bringen?

Tom fuhr jetzt erstmal nach Hause, um mit Verena zu reden. An der Tür wurde er schon von Luis begrüßt, der ihn stürmisch in die Arme schloss.
"Na Großer, wie geht’s dir?", fragte Tom und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
"Gut Tom, Mama macht uns heute Hähnchen zum Abendbrot.", erzählte der Kleine. Tom ging mit ihm in die Küche, wo auf dem Tisch die Wiege mit Marie stand und Verena ihr gerade das Fläschen gab. Tom gab ihr einen Kuss zur Begrüßung und nahm ihr dann Mariechen ab.
"Danke Tom, ich muss sowieso nach den Hähnchen schauen. Gibt es schon etwas Neues in eurem Fall?", fragte sie.
"Ja wir haben vor ihm eine Falle zu stellen, nur wissen wir noch nicht, wie wir es ihm schmackhaft machen können.", log er mit einem innerlichen Grinsen.
"Oh, lasst mich das machen. Worum geht es denn dabei?", fragte Verena aufgeregt. "Ich weiß nicht..." "Komm schon", erwiderte sie mit treuem Blick, dem keiner widerstehen konnte. "Also schön, es geht um den Gehstock von Adenauer. Der wird übermorgen im Pergamonmuseum ausgestellt. Das perfekte Ziel für diesen Fantomas.", meinte Tom.

Am nächsten Tag erklang es im Autoradio. "Heute wird im Pergamonmuseum der längst verloren geglaubte Gehstock von Konrad Adenauer ausgestellt, den er während seiner letzten Lebenstage trug und der einen Wert von 50.000 Euro hat.", schallte Verenas Stimme durch jedes Radio.
"Na also.", dachte Wolff, als er das auf dem Weg zum Büro hörte.

Sehr zu seinem Erstaunen wartete dort schon Tom. „Hat sie nicht eine süße Stimme im Radio?“ war das erste was er zu hören bekam. Schmunzelnd begrüßte er seinen Kollegen und setzte sich zu ihm.
„Ich habe heute Morgen schon mit Hoffer telefoniert. Im Museum ist alles soweit fertig. Das heißt es kann jederzeit losgehen. Und das bedeutet…“
„Schlaflose Nächte…“ „Richtig Tom! Du willst doch dabei sein, wenn wir Fantomas fangen oder?“
Ja das wollte er. Ihn interessierte es brennend wer zu solch Diebesgängen in der Lage war. In seinen Gedanken sah er einen athletischen jungen Mann vor sich, der in der Lage war seinen Körper wie ein Schlangenmensch zu verbiegen. „Bestimmt jemand aus dem Zirkus.“ Murmelte er vor sich hin.
„Was?“ „Ach nichts!... Was machen wir bis dahin? Ich meine, tagsüber wird er wohl nicht seinen Raubzug starten. Jetzt wo das Museum vor Besuchern nur so wimmelt.“
Wolff kam nicht zum Antworten. Ein Klopfen an der Tür kündigte Verena an. Sie strahlte bis über beide Ohren, begrüßte ihren Vater und nahm auf Toms Schoß Platz. „War ich nicht super?“
„Ja war nicht schlecht…“ bemerkte der trocken. „Eh!“ Ein sanfter Stoß an die Schulter überredete ihn seine Antwort noch mal zu überdenken. Mit einem breiten Grinsen gab er ihr einen liebevollen Kuss und bestätigte ihr, wie toll sie das Ganze gemacht habe.
„Wo ist eigentlich Marie?“ „ Bei Katrin. Sie hat sich bereit erklärt ein paar Stunden auf sie aufzupassen. Ist doch nett oder?“
Wolff sah belustigt zu den Beiden und ganz besonders zu Tom. Seinen bedepperten Gesichtsausdruck wollte er sich nicht entgehen lassen. Katrin war zwar die beste Freundin von Verena, aber keinesfalls die von Tom. „Ja und wie… meine arme Tochter…“ fügte er etwas leiser hinzu. „Was?“ „Nichts, nichts!“
„Du Papa, kommst du nicht mal kurze Zeit ohne Tom aus? Nur für ein zwei Stunden.“ Mit ihrem treuherzigsten Blick versuchte sie Wolff zu überreden. So richtig passte ihm das nicht, aber er konnte ihr schon immer schlecht einen Wunsch abschlagen.
„OK, aber in zwei Stunden bist du wieder hier! Wir haben schließlich genug zutun!“ Das ließ Tom sich nicht zweimal sagen.
„Danke Wolff!“ Verena drückte ihm einen Kuss auf die Wange und zog Tom hinter sich her.
Während die Beiden ihre gemeinsame Zeit genossen, ging Wolff noch mal genau den Plan durch. Er hoffte inständig dass alles klappte. Der Staatsanwalt verließ sich auf sie, auf keinen Fall wollte er ihn enttäuschen. Wenn das in die Hose gehen würde, rücke er in Zukunft bestimmt nicht mehr so leicht mit Sondergenehmigungen raus.
 

Am Abend war dann alles vorbereitet. Das Museum schloss seine Pforten, der letzte Besucher war gegangen und nur noch die Wachmänner waren im Museum.
Der Gehstock wurde unter eine sichere Glasvitrine getan und vom höchsten Sicherheitssystem abgeschirmt. Kameras waren auf die Vitrinen gerichtet und sahen von allen Ecken und Enden den Raum ein.

Wolff hielt sich bei den Technikern im Überwachungsraum auf, während Tom unten im Wagen den Standort des Peilsenders im Auge behielt, die jedoch nicht allzu standhaft waren und immer wieder zu fielen.
Auch Hauptkommissar Joe Hoffer stand mit seinen Männern bereit. Er sorgte in der näheren Umgebung des Museums für Sicherheit. Immer wieder wurden die Leute vom schnellen Vorbeifahren der auf dem Eisenbahnviadukt verkehrenden Schnellzüge aufgeschreckt, die mit quietschenden Geräuschen sich in die Kurve legten.
Nach zwei Stunden des Wartens passierte immer noch nichts, schließlich war es schon drei Uhr morgens. Toms Augen waren nun endgültig zu gefallen. Doch die Stimme seines Chef durch das Mikrofon ließ ihn wieder aufschrecken.
"Tom, werd wach. Da tut sich etwas.", meldete Wolff, als er auf den Außenkameras am Dach einen Schatten bemerkte. "Alle Einheiten auf Position.", flüsterte er ins Headset.
Sofort und ganz leise nahmen Wachmänner und Zivilfahnder ihre Positionen ein.

Der Schatten machte sich an einem der Dachfenster mit einem Glasschneider zu schaffen. Wolff und die Technik beobachteten akribisch jede Bewegung, die dieses Individuum zu tun schien. Es seilte sich in einen unbewachten Nebenraum ab, indem keine Kameras waren.
"Verdammt, er scheint sich hier auszukennen.", fluchte Wolff. "An alle, er ist in Raum B4, dritter Stock.", meldete Wolff.
Plötzlich ging das Licht im Raum mit der gläsernen Vitrine aus, nur noch der Schein einer Taschenlampe war zu sehen. Auch die Alarmanlage wurde abgeschaltet. Wolff und der Museumsdirektor sahen, wie Fantomas sich an der Glasvitrine zu schaffen machte, ein großes Loch hinein schnitt und dann mit einem gekonnten Griff den Gehstock entwendete.
"Der Fisch hat angebissen, ich wiederhole: Der Fisch hat angebissen. Alle Angler auf ihre Positionen.", wies Wolff an. Sofort umstellten die Zivilfahnder der SoKo den Raum. Alles wartete auf Wolffs Kommando.
 

Fortsetzung vom 05. Juli 2006

 

Fantomas steckte den Gehstock in einen Rucksack und wollte den Raum verlassen. „Zugriff“ brüllte Wolff und die Männer der SOKO stürmten den Raum. Doch leider hatten sie nicht mit der Wendigkeit dieser Person gerechnet. Gekonnt huschte sie zwischen den Personen zum nahe liegenden Fenster, balancierte Zirkusartig auf den schmalen Fenstersims entlang und sprang über mehrere Vordächer auf den sicheren Boden. „Wieso ist denn da unten keiner?“ kritisierte Wolff wütend. Doch das stimmte nicht ganz. Tom, inzwischen wieder hellwach, packte den Dieb am Kragen. Der wehrte sich aufs heftigste und schlug wild um sich. Doch alles Zappeln nützte nichts. Tom hatte sie fest im Griff.

Hoffer und Wolff liefen im Schnellschritt zu ihrem Kollegen. „Gute Arbeit, Borkmann.“
„Oh Danke und so was aus ihrem Munde…“ Hoffer ignorierte den Kommentar und zog Fantomas die Maske vom Gesicht. „Sie?“ Alle 3 sahen entsetzt in das Gesicht einer jungen Frau, der Assistentin von Hoffer. „Abführen!“ Zwei Beamte brachten sie in einen Streifenwagen.
„Meine Güte und da denkt man man kennt seine Leute.“ „Bitte geben sie uns Bescheid wenn wir sie verhören können.“ Bat Wolff freundlich und machte sich mit Tom auf den Weg ins Büro. „Und wie erklärst du das Verena?“ Mit einem breiten Grinsen deutete Wolff auf vier dicke Kratzer in Toms Gesicht. „Hmm das hab ich noch gar nicht gesehen… dieses Miststück. Na ja ich denk doch mal dass du mich unterstützt, wenn Verena mir schlimme Sachen unterstellt!?“

 

Wolff und Tom gingen wieder nach oben ins Museum. Dort wartete schon aufgeregt der Direktor.
"Und, haben sie den Dieb?", fragte Doktor Alexander Winkler mit schweißtriefender Stirn.
"Ja, Herr Doktor, es ist vorbei. Ihr Museum ist wieder in Sicherheit.", erwiderte Wolff.
"Und der Dolch?", hakte der Direktor nach.
Wolff musste innerlich schmunzeln. "Wir werden noch gleich heute eine Hausdurchsuchung unternehmen und ihnen den Dolch bringen.", antwortete der Hauptkommissar. Toms Gesicht war da aber anderer Meinung. Eine Durchsuchung nach so einem nervenaufreibenden Einsatz und dann noch um 4:00 Uhr morgens. Was würde Verena sagen, wenn sie aufwacht und ihr Liebling liegt nicht neben ihr? Das würde eine Diskussion ohne Ende geben. Aber Wolff hatte den Einsatz schon festgelegt und ob er wollte oder nicht, er musste mit.

Aus dem Personalausweis kannten sie nun die Adresse und fuhren mit zwei weiteren Streifen dorthin. Es war eine der gehobeneren Wohngegenden direkt an der Spree gelegen. Von dort hatte man einen schönen Blick aufs Brandenburger Tor und den Reichstag.
Ihre Wohnung war nicht gerade klein, weshalb die Beamten sehr viel zu tun hatten. Jedes Regal, jeder Schrank wurde auf ein Versteck hin untersucht und auseinander genommen. Plötzlich entdeckte ein Polizist hinter einem Wandteppich eine Tür, die abgeschlossen war.
"Herr Hauptkommissar, ich hab was gefunden.", rief er Wolff zu. Sofort waren er und Tom bei dem Beamten und schnell wurde das Schloss aufgebrochen. Die Tür führte in eine kleine, wenn auch geräumige Rumpelkammer, indem das ganze Diebesgut untergebracht war. Gemälde, Statuen und Vasen, aber keine Spur von dem Dolch, den der Louvre in einer Woche wiederhaben will. "Tja, wir haben zwar den Dieb, aber nicht das was wir suchen und so, wie es hier aussieht, glaube ich nicht, dass sie sich mit Schlangengift auskennt.", meinte Tom. Wolff nickte zustimmend. "Du magst recht haben. Mal sehen, was das Verhör heute bringt. Jetzt fahren wir erst Mal nach Hause, es wird ja schon hell.", sagte Wolff und deutete auf die rote Morgensonne, die über der gläsernen Kuppel des Reichstages aufging und einen schimmernden Glanz auf dem Glas hinterließ.

Tom machte sich müde und völlig erledigt auf den Heimweg. Die Straßen waren leer, sodass er nicht viel auf den Verkehr achten musste.
 

Währenddessen waren Wolff und Hoffer dabei, die Verdächtige zu verhören.
Die junge Dame, von gerademal 32, war kooperativ und gab die meisten Einbrüche zu. Frau Bach kam aus einer berühmten Artistenfamilie. Sie begründete dies mit einer ausgeprägten Schizophrenie, die sie seit einem Sturz vom Balken, als junges Mädchen, hatte. Diese Krankheit trat jede Nacht hervor und eigentlich war sie mit Medikamenten zu heilen, doch ihr fehlte für diese teuere Arznei einfach das passende Geld. So ging sie jede Nacht auf Einbruchstour.

"Warum haben sie den Wachmann umgebracht?", fragte Wolff.
"Das habe ich nicht. Ich habe noch nie jemandem etwas zu Leide getan.", erwiderte die junge Frau.
"Jemand hat aber den Wachmann ermordet, um an den Dolch zu kommen. Und wenn sie das nicht waren, wer sollte es dann gewesen sein?", fragte Hoffer energisch und wütend.
Da drehte sich die junge Frau um, schaute ihn tief in seine Augen und sagte: "Der andere Wachmann hat ihn ermordet."
Wolff und sein Kollege schauten sich fragend an. "Wie sollen wir das verstehen?", fragte Wolff.
"Ich habe durch das Dachfenster, welches sich genau über der Vitrine befand, wie die beiden miteinander gestritten haben, dann drehte sich der eine um und sein Kollege zückte etwas aus seiner Jackentasche und jagte ihm das Ding in den Hals. Dann schaltete er die Alarmanlage aus, nahm den Dolch an sich und schaltete die Anlage wieder ein. Weil es nichts mehr zu holen gab, verschwand ich.", erklärte Frau Bach. Wolff legte ein Foto von Köstritz vor. "Ist das der Mann?", fragte der Ermittler. Die Frau bestätigte dies.

Wolff und Hoffer gingen einen Moment nach draußen. "Glauben sie ihr?", fragte der LKA-Kommissar.
"Sie scheint nicht der Mensch zu sein, der einen anderen wegen eines Gegenstandes einfach umbringt. Ich glaube ihr. Mir scheint, der Wachmann verschweigt einiges. Wurden die Videobänder überprüft, die in der Mordnacht gemacht wurden?", fragte Wolff. "Noch nicht, das Museum wollte sie uns zuschicken, doch es sind noch keine eingetroffen.", erwiderte Joe Hoffer. Jetzt wurde Wolff einiges klar und er glaubte auch zu wissen, warum Herr Kramer sterben musste.

Die beiden fuhren mit Blaulicht zum Museum, in der Hoffnung, dass noch niemand die Videobänder durchgesehen hatte.
 

Tom hingegen war so geschafft von der letzten Nacht, dass er nur noch seine Sachen von sich warf, wie ein Stein ins Bett fiel und sofort einschlief. Zu seinem Glück hatte Verena nichts bemerkt und als sie sich umdrehte, fühlte sie den warmen Körper ihres Freundes neben sich liegen.

Wolff indessen war kurz davor den Fall zu lösen. Er und Hoffer erreichten das Pergamonmuseum, wo ihnen der Direktor auf der Treppe entgegen kam. "Nanu Herr Wolff, sie arbeiten noch? Ich denke, sie haben den Täter?", fragte er etwas spöttisch. Wolff drehte sich zu ihm und fragte ihn wo die Videobänder seien, die am Abend des Mordes gemacht wurden. "Die liegen im Technikraum. Sie müssen erst noch ausgewertet und archiviert werden.", erklärte Dr. Winkler. Wolff und sein Kollege hasteten die Treppen hoch, durchs Museum zum Technikraum.

Dort machte sich gerade Herr Köstritz dran die Bänder durchzusehen. Er suchte das Band, welches ihn schwer belastet. Vier von den Aufzeichungen hatte er schon durchgesehen, jetzt bei der fünften war er fündig geworden. "Na also", sagte er. Er nahm das Band heraus und wollte gerade den Technikraum verlassen, als Wolff ihm den Weg versperrte. "Wo wollen sie denn hin, Herr Köstritz?", fragte Wolff noch ganz außer Atem.
"Ähm...ich...ähm, wollte... wollte das Band hier ins Archiv bringen, ja genau.", stotterte er.
"So, warum? Schauen wir uns das Video doch mal an.", schlug Hoffer vor, nahm dem Mann das Band ab und schob es in den Recorder. Er spulte ein wenig zurück und da sah man es: Köstritz stach mit einer Spritze in den Hals des Wachmannes Kramer, stahl dann den Dolch und verschwand aus dem Raum.

"Können sie uns das erklären?", froderte Wolff ihn auf.
Der Mann sackte zusammen. "Herbert und ich wollten den Dolch stehlen und dann das Museum um die Versicherung erpressen. Doch plötzlich wollte er nicht mehr mitmachen, wollte mich sogar ans Messer liefern, wenn ich das durchziehen würde. Da bin ich bei seinem Freund ins Labor eingebrochen, hab die Schlange geholt, ihr ein wenig Gift abgezapft und ihn dann damit ermordet.", sagte er kalt.
"Wo ist die Schlange und, was noch viel wichtiger ist, wo ist der Dolch, sie mieses Wiesel?", fauchte Hoffer.

Der Wachmann führte beide zu sich nach Hause. In einer Holzkiste war die Schlange untergebracht, doch sie war verhungert. In einem dicken und hohlen Buchwälzer war dann auch der Dolch versteckt.
"Und das alles nur wegen des Geldes.", sagte Wolff und ließ ihn abführen. Jetzt konnte auch er endlich nach Hause und ein wenig schlafen.

Am nächsten Morgen brachte er das wertvolle Stück zum Museumsdirektor, der schon sehnsüchtig darauf wartete. Damit war wieder ein schwieriger Fall abgeschlossen.
 

 

ENDE